Einhundert und einhalb – One hundred and a half

Heute vor 115 Jahren ist eine ganz besondere Person auf die Welt gekommen: am 8. August 1904 erblickte ein kleines Mädchen das Licht der Welt. Im Laufe ihres langen Lebens war es ihr bestimmt, meine „kleine Oma“ zu werden.

Wenn sie erzählte, dann sehr ungern über ihre Kindheit – sie wuchs, wie ihre Geschwister – im Waisenhaus auf. Sie wurde als Teenager als Zofe bei Adligen eingestellt, heiratete einen Tischler (Opa war ein echter Künstler mit Holz, er verstarb leider schon, als ich 8 war), bekam einen Sohn und zwei Enkel und feierte wie eine Königin 2004 ihren hundertsten Geburtstag. Ein halbes Jahr später ging sie mit gefalteten Händen und einem zufriedenen Seufzer heim.

Warum ich hier über sie schreibe? Weil sie es wert ist, nicht vergessen zu werden. Ich liebte sie! Sie war eine kleine Frau und doch war sie eine große Dame.

Ich liebte schon als kleines Mädchen ihren Schokopudding, den ich vom Tellerchen lecken durfte, der zu meiner blauen Tasse gehörte. An ihrem Küchenfenster hingen im Winter Futterblöcke für die Vögel und der Grünspecht war ein ständiger und von mir äußerst bewunderter Gast. Omas gestrickte Socken haben mich begleitet, bis Oma etwa 95 war und ihre Sehkraft langsam nachließ. Ich bewunderte ihre grauen Locken und ihre akkurat manikürten Nägel. Sie liebte es, mit den Eltern meiner Mutter, mit denen sie zusammenwohnte, Tennis zu schauen – als Boris Becker und Steffi Graf auf dem Höhepunkt der Karriere waren, wurde Oma zum Spezialisten. Oder sie schauten Fußball. Wobei ich nicht weiß, ob sie wirklich etwas davon verstand oder einfach nur glücklich war, dabeisitzen zu können.

Sie erzählte oft davon, wie es in den beiden Weltkriegen war. Was das zerbombte Berlin in ihrer Seele angerichtet hat. Wie sie mit Papa, der noch ein Kleinkind war, in die Luftschutzbunker rennen musste, damit sie nicht getötet würden. Wie sie in die Rhön geflüchtet sind, um dort auf Opa zu warten. Wie sie sehr ärmlich lebten, weil Opa, der Künstler, sich nicht traute, sich seine Arbeit angemessen bezahlen zu lassen. Und wie sie sich immer wieder zusammengerauft haben und nie aufgaben.

Sie lehrte mich Dinge, die nur eine Oma lehren kann. Und sie war immer da für mich, wenn ich sie brauchte. Und später war ich für sie da, wenn sie mich brauchte. Sie war mit guter Gesundheit gesegnet, obwohl das Alter und die Erfahrungen ihre Spuren hinterlassen hatten. Aber sie ging nie als Patientin ins Krankenhaus, nur als Besucher. Wie gesegnet doch diese kleine Person war.

Jedes Jahr am 8. August sehe ich mir mit einem Lächeln und mit Tränen in den Augen das Foto von Oma’s 100stem Geburtstag an und bin unendlich dankbar, dass ich sie solange begleiten durfte. Es ist ein Privileg, jenseits der 30 noch Großeltern zu haben. Und ich hatte noch drei davon. Aber heute ist der Tag der „kleinen Oma“ – Alles Liebe zum Geburtstag!

Meine Oma und ich (und Papa und Opa)

Today it’s 115 years that a very special person was born: on August 8, 1904 a little girl came into the world. In the course of her lifetime it was her calling to become my „little Grandma“

When she told her stories, she didn’t like to talk about her childhood – she grew up in an orphanage like her siblings. As a teenager she was hired by aristocratics as a maid, she married a carpenter (Grandpa was a real artist with wood, sadly he already died when I was about 8), she had one son and two grandchildren and she celebrated her 100th birthday like a queen. Half a year after that she went home with folded hands and a satisfied sigh.

Why I write about her here? Because she is worth not to be forgotten. I loved her! She was a little woman and yet she was a great lady.

As a little girl I loved her chocolate pudding which I was allowed to lick off the little plate that belonged to my blue cup. At her kitchen window she hat food blocks for the birds in winter and the green woodpecker was a permanent and by me absolutely adored guest. Grandma’s knitted socks accompanied me until she was about 95 years old and her eyesight slowly worsened. I adored her grey curls and her accurately manicured nails. She loved to watch tennis with my mom’s parents with whom she lived – when Boris Becker and Steffi Graf were at the top of their carreers, Grandma became a pro. Or they watched soccer. I have no idea if she really understood sports or if she simply was happy about being able to enjoy the company.

Often she told us about how she experienced the two World Wars. What the bombed-out city of Berlin did to her soul. How she had to run towards the air-raid shelters so they wouldn’t get killed. How they fled to the Rhoen (the area we still live in) to wait there for Grandpa. How poorly they lived because Grandpa, the artist, was afraid of asking for an adequate payment for his work. And how they pulled themselves together time and time again and how they never gave up.

She taught me things only a grandma can teach. And she was always there for me when I needed her. And later I was there for her when she needed me. She was blessed with health although her age and her experiences left their traces. Yet she never had to go to a hospital as a patient, only as a visitor. How blessed that little person was!

Every year on August 8 I look at the picture we took on Grandma’s 100th birthday, smiling and with tears in my eyes and I am so thankful for being able to be at her side for such a long time. It is a privilege to have grandparents when you are over 30. And I still had three of them then. But today is „little Grandma’s“ day. Happy Birthday!

5-Uhr-früh-Gedanken – 5-am-Thoughts

Als ich gestern Abend ins Bett gegangen bin, hatte ich noch keine Ahnung, worüber ich heute schreiben soll. Das hat sich heute Morgen um 5 Uhr schlagartig geändert. Was war passiert? Ich war gerade mitten in einem Traum, als ein amerikanischer Moderator lautstark irgendetwas kommentierte und ich so aus dem Bett hochschreckte, dass mein Puls schlug, wie verrückt. Ich stand zitternd auf und sah meinen Mann in der Küche ein Video auf dem Handy anschauen. Mann, war ich sauer – wieder nur 3 Stunden festen Schlaf – immerhin hatte mich Quincy um kurz vor 2 geweckt, weil er raus musste. Dabei sollte mein Mann es besser wissen. Nennt er mich doch “Sleeping Beauty” – Dornröschen, weil ich ein gutes Stück mehr Schlaf brauche, als er.

Wieder im Bett dämmerte es mir – ich hatte das Thema für heute gefunden!

Nein, es ist nicht “wie XXXX ich meinen Mann, wenn er mich mitten in der Nacht weckt”

Es ist Dankbarkeit!

Wieso das denn? Ganz einfach: In dem Moment, als ich wieder im Bett lag, war ich einfach nur dankbar. Dankbar, dass ich einen Mann habe, der um 5 Uhr frühstückt, damit er kurz darauf zur Arbeit fahren kann. Dankbar, dass er Arbeit hat. Dankbar, dass ich ein gemütliches Bett habe. Dankbar, dass ich erst am Nachmittag arbeiten muss. Dankbar, dass wir Internet haben und es funktioniert. Dass wir beide in der Lage sind, aufrecht zu stehen und durch den Tag zu gehen.

Klingt das verrückt?

Nicht für mich. Über die Jahre habe ich gelernt, dass es so viel gibt, wofür ich dankbar sein kann. Nicht nur materielle Dinge, die wir uns leisten können. Nein, auch die kleinen Dinge. Wie das “Good Morning Sweetie”, das ich auf WhatsApp von meinem Mann bekomme, wenn er bei der Arbeit angekommen ist. Oder den Anblick meines selig schlummernden Dream Teams.

Wofür bin ich sonst noch dankbar? Für unser Zuhause, das von Jahr zu Jahr schöner wird. Für’s Auto. Für den schönen Ausblick aus meinem Wohnzimmerfenster. Für einen geplanten Wochenendausflug mit meinem Schatz. Für die heißen Sommertage letzte Woche/letzten Monat. Für die Kühle diese Woche. Für Wolken, Blumen, Hummeln. Für meine Familie und meine Freunde. Für meine Stimme. Für die Falten um meine Augen, sie zeigen, dass ich es liebe zu lachen. Für meinen Glauben. Für all die Pläne, die Gott noch für mich hat.

Denk mal darüber nach, wofür du heute dankbar bist. Und schreib’s mir in die Kommentare. Ich freu mich, von dir zu lesen!

When I went to bed last night I had no idea about what to write today. That abruptly changed this morning at 5 am. What had happened? I was in the middle of a dream when an American anchorman loudly commented something and I woke with a start so that my pulse went crazy. I got up, shaking, and saw my husband in the kitchen watching a video on his phone. Man, I was pissed – again only 3 hours of deep sleep – Quincy woke me up around 2 because he had to go outside. I think my husband should know better. Calling me “Sleeping Beauty” because I need a good amount more of sleep than he does.

Back in bed it dawned on me – I found the subject for today’s text!

No, it is not “how to XXXX my husband when he wakes me up in the middle of the night”

It is Gratefulness!

Why’s that? That’s simple: At the moment I was back in bed, I was just thankful. Thankful for having a husband who has breakfast at 5, so he could go to work shortly after that. Thankful for him having a job. Thankful for me having a cosy bed. Thankful that I don’t have to work before afternoon. Thankful for having internet and that it works. That we both are able to stand upright and walk through the day.

Does that sound strange?

Not to me. Over the years, I learned that there’s so much to be thankful for. Not only material things we are able to afford. No, also the little things. Like the “Good Morning Sweetie” I receive via WhatsApp from hubby when he arrived at work. Or the view of my peacefully sleeping Dream Team.

What else am I thankful for? For our home that gets more and more beautiful as the years go by. For the car. For the nice view out of my living room windows. For a scheduled weekend-trip with my love. For the hot summer days last week/month. For the cool this week. For clouds, flowers, bumblebees. For my family and my friends. For my voice. For the wrinkles around my eyes as they show that I love to laugh. For my faith. For all the plans God still has for me.

Think about what you are grateful for today. And write me a comment about it. I’m looking forward to reading from you!

Das Leben genießen – Enjoying Life

Guten Morgen! Ich hoffe, dir geht’s gut – ich hatte ein paar schöne und gut gefüllte Tage.

Donnerstag – das hab ich ja geschrieben – gehörte ganz meinem Mann. Wir haben das Africa Festival in Würzburg besucht und einen tollen Tag genossen. Mit Musik aus der Karibik und natürlich aus Afrika, afrikanischem Essen, Sonnenschein, und netter Gesellschaft. Alles in allem ein gelungener Vatertag.

Freitag mussten wir arbeiten. Unser langes Wochenende kommt erst noch. Samstag haben wir zuhause gearbeitet, mit Freunden gegessen und uns mit Erdbeerkuchen verwöhnt. Gestern standen Gottesdienst, schwimmende Hunde und ein gemütlicher Nachmittag mit Schläfchen auf dem Zettel.

Was denkst du? Sind das nicht ganz viele Gründe, dankbar zu sein? Denk mal drüber nach, was es mit dir macht, wenn du dankbar bist für das, was du hast/bist/kannst. Anstatt dich zu ärgern über das, was du nicht hast/bist/kannst. Ich hab einen tollen Mann, zwei verrückte Hunde, wundervolle Kinder und einen Enkel (obwohl ich nie selbst geboren habe), ein Haus, noch immer Eltern und Schwiegereltern, liebe Freunde, nette Nachbarn, einen guten Job, Auto, Waschmaschine, eine schöne Stimme, eine kurvige Figur, tolle Locken, herrlich blaue Augen und meinen Glauben an Jesus, der mir Kraft und Mut für die Welt gibt. Um nur ein paar Dinge zu nennen. Ich bin unendlich dankbar dafür. Ich könnte auch ärgerlich sein darüber, dass ich keine eigenen Kinder geboren habe, dass meine Eltern nicht mehr fit und gesund sind und immer öfter Hilfe brauchen und einfordern, dass ich jeden Tag zur Arbeit fahren muss, dass meine Waschmaschine schon alt ist, dass ich einen kugeligen Bauch und Dellen an den Beinen habe, dass meine Locken nur durch eine Dauerwelle so schön sind, dass meine blauen Augen nur mit Brille wirklich sehen können….. Du verstehst? Das Leben ist zu kurz und zu schön, um diese Schönheit zu ignorieren und unter Ärger und Sorgen zu begraben! Glaube mir, es lebt sich viel stressfreier und besser, wenn du dich auf die schönen Dinge fokussierst. Und auch mal eine „Verpflichtung“ (z.B. einen Beitrag am Donnerstag zu schreiben) verschiebst, um einfach den Tag mit deinem Lieblingsmenschen zu genießen.

Good morning! I hope you’re doing fine – I had a few nice and well filled days.

Thursday – as I told you – was my husband’s day. We visited the Africa Festival in Wuerzburg and enjoyed a great day. With Caribbean and of course African music, African food, sunshine and nice company. All in all a perfect Father’s Day.

On Friday both of us had to work. Our long weekend is still ahead. Saturday meant working at home, having lunch with friends and spoiling ourselves with strawberry cake. Yesterday’s list said church, swimming dogs and a cosy afternoon including a nap.

What do you think? Aren’t that a lot of reasons to be thankful? Think about what happens with you when you are thankful for what you have/are/can do. Instead of being angry about what you don’t have/aren’t/can’t do. I have a great husband, two crazy dogs, wonderful children and a grandson (although I never gave birth), a house, I still have parents and in-laws, sweet friends, nice neighbors, a good job, car, washing machine, a nice voice, a curvy body, great curls, amazing blue eyes and my faith in Jesus which gives me strength and courage for this world. Just to mention a few things. I am absolutely thankful for them. Yet I could be angry about not having born my own children, about my parents not being fit and healthy any more and asking for my help more often. About having to drive to work every day, about my washing machine being very old. About having a round belly and dents on my upper legs, about only having curls because of the perm, about my blue eyes only being able to see through my glasses…..You understand? Life is too short and too beautiful to ignore all this beauty and to bury it under anger and worries! Believe me, you can live with a lot less stress and so much better when you focus on the good things. And when you reschedule an „obligation“ (e.g. to publish a text on Thursday) just to enjoy spending the day with your favourite person.