Einer für alle – one for all

Wenn du am Sonntag meinen Mann mit einem Spieß bewaffnet durch unser Dorf Rödles laufen siehst, könntest du dich fragen, was das zu bedeuten hat. Am kommenden Sonntag ist er Spießträger – ein Job, der in unserem Dorf schon sehr sehr lange von den Männern – und nur von den Männern – ausgeübt wird.

Vermutlich stammt dieser Dienst aus Zeiten, in denen man die Häuser nicht abschloss und in denen allerlei Gesindel sein Unwesen trieb und die Tatsache ausnutzte, dass sonntags alle Dorfbewohner in der Kirche waren.

Was tat also der Spießträger?

Er spazierte durch‘s Dorf und hatte ein Auge auf alles, was ungewöhnlich war. Neben der Bewachung der üblicherweise offenstehenden Häuser und der Abschreckung von Räubern war er jedoch hauptsächlich als Feuermelder im Einsatz. Früher waren offene Feuer in den Küchen, und die Gefahr eines Brandes war ziemlich hoch. Der Spießträger ging also in die Häuser hinein und überprüfte die Feuerstellen. Hin und wieder hat er sicher auch ein Scheit Holz nachgelegt, damit das Feuer nicht ausging.

Auch in die Ställe durfte und sollte der Spießträger gehen. Es ist überliefert, dass einmal ein Bauer vom Spießträger aus der Kirche heimgeholt wurde, weil die Kuh im Stall Probleme beim Kalben hatte und der Bauer zu Hilfe kommen musste.

Selbst der Bürgermeister hat des öfteren die Dienste des Spießträgers in Anspruch genommen und ihn gebeten, nach dem Gottesdienst die Leute aufzuhalten, damit jeder hören konnte, was er zu sagen hatte, z. B. dass das Waschhaus gestrichen werden muss oder andere gemeinschaftliche Aufgaben erledigt werden sollten.

Man könnte meinen, dass ein so alter Brauch ziemlich überflüssig ist, aber in Rödles wäre in den 50er Jahren ein Haus sicherlich abgebrannt, hätte der Spießträger nicht den Brand entdeckt und die Leute zum Löschen aus dem Gottesdienst geholt.

Der Spießträger trägt übrigens den Spieß mit der Spitze nach unten auf seinem etwa einstündigen Rundgang – vom Beginn bis zum Ende des Gottesdienstes eben. Und am Ende der Runde wird der Spieß zum nächsten männlichen Nachbarn gebracht. Du erinnerst dich, wir Mädels dürfen den Spieß nicht tragen. Und wenn sich auch die etwa 200 Einwohner unseres schönen Dorfes einig sind, dass der Brauch eigentlich in dieser hektischen und digitalen Zeit überholt ist, wird der Spieß Woche für Woche von Haus zu Haus getragen und unsere Männer machen ihren Rundgang. Dabei ist es egal, wieviele Besucher der Gottesdienst zählt.

Ich bin gespannt, was mein Mann alles Neues entdecken wird auf seinem Rundgang am Sonntag.

Gibt es dort, wo du wohnst, auch alte Traditionen, die bis heute gepflegt werden? Schreib mir darüber in die Kommentare.

Kurzer Nachtrag: ich hatte ganz vergessen zu erwähnen, dass es den Spießträger in unserer Gegend nur noch in unserem und zwei Nachbardörfern gibt.

Der Spieß – The Pike

If you see my husband walk through our village Roedles next Sunday with a pike in his hand, you might ask yourself, what that means. He‘ll be a pike carrier next Sunday – a job that‘s been performed by the men – and only by the men – for a long time.

Most likely this duty dates back to the time when you didn‘t lock your house and when all sorts of shady characters were up to mischief and took advantage of the fact that all villagers were in church on Sunday.

So what did the pike carrier do?

He walked through the village and kept a wary eye on anything unusual. Besides watching over the usually unlocked houses and scaring away thieves, his main task was being a fire detector. In old times kitchens had open fire places and the danger of a fire was rather high. So the pike carrier went into the houses to check the fireplaces. Every now and then he might even have put a piece of wood into the fire to keep it burning.

The pike carrier also could and should go inside the stables. It is recorded that once a farmer was called out of church by the pike carrier to go home because the cow in the stable had problems calving and the farmer had to help.

Even the mayor used the pike carrier‘s service every so often and asked him to stop the villagers after church so everybody could hear what he had to say, e.g. that the washhouse had to be painted or other communal tasks had to be accomplished.

You could think that such an old custom is a waste, but in the 50s a house in Roedles certainly would have burned down if the pike carrier hadn‘t discoverd the fire and called the people out of church to quench the fire.

After all the pike carrier carries the pike upside down on his patrol – about an hour from beginning to the end of the church service. And at the end of the tour the pike will be taken to the next male neighbor. You remember, we girls are not allowed to carry the pike. Even though the approximately 200 inhabitants of our beautiful village agree on this custom being outdated in this hectic and digital time, the pike is being taken from house to house, week by week and our men go on patrol. It doesn‘t even matter how many people go to church.

I‘m curious about how many new things my hubby will discover on his patrol.

Do you also have old traditions which are still kept alive where you live? Write about them in the comment section below.

Short addition: I totally forgot to mention that in our area the pike carrier only still exists in our village and two more neighboring villages.

Lebens-Lauf(en) – Walk of Life

Ich liebe es, zu laufen – also nicht Laufen im Sinne von Joggen, sondern Laufen im Sinne von Nicht-Fahren.

Schon als ich etwa 3 Jahre alt war, bin ich mit Papa in den Nachbarort gelaufen, um dort meine Großeltern zu besuchen. Für die etwa 5 Kilometer haben wir meistens über 3 Stunden gebraucht, denn wenn ich nicht auf Papas Schultern saß, sondern selber gelaufen bin, musste ich an jedem Blümchen auf dem Weg schnuppern und jedes Käferchen bewundern. Das tue ich heute noch, aber im Gegensatz zu Papa damals sind meine Begleiter heute meist genervt von dieser Leidenschaft (dabei ist es egal, ob du jetzt an meine Hunde oder meinen Mann denkst 😉 ). In den über 50 Jahren meines Lebens habe ich auf all unseren Wegen immer wieder Neues von Papa gelernt und viel über das Leben und die Welt erfahren.

Als ich älter wurde, bin ich oft mit Papa, Bruder und Opa zu unserem Wochenendhaus gelaufen. Mama hatte die Omas und die Verpflegung im Auto. Oder wir gingen Pilze sammeln. Selbst zur Discozeit bin ich gelaufen – so konnte ich mir ein Bierchen trinken – und Papa hat mich zu einer abgesprochenen Zeit zu Fuß wieder abgeholt. Wir beide haben während unserer gemeinsamen Läufe die großen und kleinen Probleme der Welt diskutiert. Natürlich auch die aus unserer eigenen kleinen Welt.

Später habe ich in einem Nachbardorf gewohnt, das etwa 7 km Luftlinie von meinem Elternhaus entfernt war und durch den Wald über einen Hügel am Wochenendhaus vorbei einen etwa 2stündigen Spaziergang mit Hund bedeutete. Jedes Jahr am 1. Januar bin ich für viele Jahre gelaufen, habe mich mit Papa am Häuschen zur wärmenden Schnäpschenpause getroffen, um dann zum Neujahrsessen beim Rest der Familie einzutreffen. Wenn es mal ein paar mehr Schnäpschen waren, hat uns Mama dann besser nach Hause gefahren, aber meistens haben wir am Nachmittag die Stiefel geschnürt und sind zu Fuß wieder über den Hügel gegangen.

Auch in den Familienurlauben wurde viel auf den Füßen unternommen. Egal, ob Wanderungen an der Nordsee im Watt oder in den Alpen. Wanderschuhe waren immer dabei.

Seit ein paar Jahren war es Papa, der langsam aber stetig an Geschwindigkeit verlor beim Laufen. Irgendwann wurde ich ihm – obwohl ich schon langsamer lief – zu schnell. So wurde aus dem Laufen eher ein Schlendern. Spaziergänge, besonders mit dem Dreamteam, wurden für Papa immer seltener. Wir haben unsere Welt-Geschichten-Diskussionen nun nicht mehr im Laufen, sondern meist im Sitzen abgehalten.

Unzählige Wege sind wir gemeinsam gegangen. Am vergangenen Mittwoch Abend, genau zu der Zeit, als ich den Text für den letzten Beitrag hier zusammengestellt habe, ist Papa alleine gegangen. Einen Weg, den ich nicht mitgehen konnte. Und die vergangene Woche war eine der schwersten meines Lebens. Mama ist nach knapp 55 Jahren glücklicher und bis zum Ende verliebter Ehe ohne ihren Mann und mein Bruder und ich sind ohne Papa, die nächste Generation ohne Opa. Und doch geht Papa wieder mit mir laufen. Ohne Einschränkungen, so, wie er es als junger Papa konnte. Er kann wieder mithalten, denn in meinem Herzen kann er mich sogar überholen oder auf die Schultern nehmen oder sich mit mir an die Wiese setzen und an den Blumen schnuppern. Ich weiß, dass er zu einem wunderbaren Ort gelaufen ist, wo wir uns eines Tages wieder zu einem Päuschen treffen werden und vielleicht wieder über die Welt diskutieren oder einfach gemeinsam die Schönheit des Himmels genießen. Denn wirklich alleine ist er nicht gegangen.

Papa, ich liebe dich und ich vermisse dich!

I love walking – not walking as in jogging, but walking as in not-driving.

Even when I was only about 3 years old I walked with Dad to the next town to visit my grandparents. For the approximately 3 miles we most of the time needed more than 3 hours, because if Dad didn‘t carry me piggyback and I walked by myself, I had to sniff at every little flower on the way and adore every little bug. I still do that today, but contrary to Dad then, this passion irritates my companions today (and it doesn‘t matter if you have my dogs or my hubby on your mind now 😉 ). In the more than 50 years of my life on all our paths I could learn something new from Dad and hear about the world.

When I grew older, I walked with Dad, brother and Grandpa to our weekend home. Mum had the grandmothers and the provisions in the car. Or we went to collect mushrooms. Even in my disco time I walked – that way I could have a beer – and Dad came to pick me up at an agreed time. During our walks together we discussed the big and the small problems of the world. Of course the ones of our own little world, too.

Later I lived in a little town about 5 miles beeline from my parents‘ home. That meant a 2 hour walk with the dog through the forest, over a hill, passing by the weekend home. For many years on January 1st I walked that way, met Dad at our little house to have a warming schnapps, and then we walked to join the rest of the family for New Year‘s lunch. If we had a bit too much of the warming schnapps, Mum better gave us a ride home, but most of the time we put on our boots in the afternoon and walked back home over the hill.

On family vacations we also spent a lot of our time on our feet. No matter if we walked across the mudflats at the North Sea of if we were in the Alpes. Walking boots were always in the suitcases.

A few years ago it was Dad who slowly but steadily lost speed walking. I was – even though I slowed down my pace – to fast for Dad. So our walk became more of a stroll. Walks, especially with the dreamteam, became rarer and rarer. We held our world-history-discussions no longer walking but most of the time sitting.

Countless ways we walked together. This past Monday night, right at that time when I put together the text for last week‘s post, Dad went alone. A path I could not go with him. And this past week was one of the hardest in my life. Mum is – after almost 55 years of a happy and loving marriage – without her husband and my brother and I are without Dad, the next generation without Grandpa. And yet Dad goes walking with me again. Without impairments, just like he did as a young dad. He can keep pace with me because in my heart he can even pass me or carry me piggyback or sit down at the pasture to sniff the flowers. I know that he walked to a beautiful place where we one day will meet again to take a little break together and maybe discuss the world again. Or simply enjoy the beauty of heaven together. Because he not really went alone.

Dad, I love you and I miss you!

Einzigartig und wunderbar – Unique and wonderful

Heute erzähle ich dir eine echte Donnerstagsgeschichte 😉 – vor 8 Jahren, als ich in Schweinfurt in der US-Kaserne arbeitete, besuchte ich Donnerstags immer den Bibelkreis. Eines Abends, während der Heimfahrt, kam mir der folgende Text in den Sinn und ich denke, er ist perfekt für heute. Also denke ich, ich teile ihn einfach mit dir. Geschrieben hab ich ihn im Juni 2011.

Auf dem Heimweg vom Bibelkreis am Donnerstag werde ich immer mit wunderschönen Sonnenuntergängen gesegnet. Heute kam mir etwas in den Sinn, als ich wieder einmal das beeindruckende Bild sehen konnte, das mein Vater für mich gemalt hat.

Es ist immer der gleiche Himmel – Gott hat ihn gemacht – aber er sieht jeden Tag anders aus, für all die verschiedenen Menschen, mit ihren vielen verschiedenen Perspektiven. Genauso verschieden, wie wir sind. Wir sind alle Gottes Kinder, und doch sind wir alle verschieden. Und so ist auch Gottes Wort. Es ist das selbe – gestern, heute und in Ewigkeit. Trotzdem ist es verschieden für uns, abhängig von unseren verschiedenen Lebensperspektiven. Und es lässt sich für jedes Leben etwas anders anwenden. Es ist bunt, schön und wunderbar. Und jedes Mal, wenn wir eine Portion davon abbekommen, können wir etwas Neues entdecken.

Ich bin so dankbar für meine Freunde, die so verschieden sind – jeder einzelne. Sie passen auf verschiedene Weise in mein Leben, jeder einzelne ist genau richtig. Ich bin so dankbar für Gottes Wort. Es gilt für mein Leben auf so viele verschiedene Arten. Und ich bin dankbar für den Himmel, der mich immer wieder in Staunen versetzt, wenn ich eine schöne Wolke sehe, einen Sonnenuntergang, einen Regenbogen. Gottes Kunstwerke.

Und ich fühle mich sehr privilegiert – weil ich weiß, dass Gott diese Bilder nur für mich malt.

Und dich.

Und dich.

Today, I tell you a real Thursday story 😉 – 8 years ago, when I worked on the Schweinfurt army base, I attended the Thursday bible studies on a regular basis. One evening while driving home, I had the following text on my mind and I think it is perfect for today. So I think, I just share it with you. It was written in June 2011.

On the way back home from bible study on Thursdays I always am blessed with beautiful sunsets. Today something came to my mind, when I again had the chance to see the awesome picture my Father painted for me.

 It is alway the same sky – God made it – but it looks different every day, to all the different people, with all different perspectives. Just as different as we are. We are all God’s children, yet we all are different. And so is God’s Word. It is the same – yesterday, today and forever. Yet it is different to us, depending on our different perspectives of life. And it applies to each life differently. It is colorful, beautiful, wonderful. And each time we get a portion of it, we might discover something new.

 I am so thankful for my friends, who are so different – each one of them. They fit into my life in different ways, just every single one in the right way. I am so thankful for God’s Word. It applies to my life in so many different ways. And I am thankful for the sky which makes me stand in awe every time I see a beautiful cloud, a sunset, a rainbow, God’s artwork.

 And I feel very priviledged – ‚cause I know my God paints these pictures just for me.

And you.

And you.

Ein guter Tag? – A good day?

Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen uns freuen und fröhlich sein in ihm!
Psalm 118:24 SCH2000

Und dann gibt es Tage, an denen es mir sehr schwer fällt, fröhlich zu sein. Heute ist so ein Tag. Ich kann mich kaum konzentrieren und ich habe heute weder Zeit noch Energie für einen Beitrag. Ich bin aus sehr privaten Gründen regelrecht blockiert.

Ich bitte um Verständnis und ich hoffe, nächste Woche wieder einsatz- bzw schreibbereit zu sein. Ich danke dir.

This is the day which the Lord hath made; we will rejoice and be glad in it.
Psalms 118:24 KJV

And there are days when I have a really hard time being happy or rejoicing. Today is such a day. I can hardly concentrate and do not have time or energy to write a post. Private reasons are blocking me totally.

I ask for your understanding and I hope to be able to get back to writing next week. Thank you.

Gewinner oder Verlierer – Winner or Loser

Gestern habe ich beim Einkaufen ein Rubbel-Los mit dem Kassenzettel bekommen. Ich habe den Code freigerubbelt und… leider nichts gewonnen. Oder doch? Ich sehe es so: ich hatte ein paar Minuten Spiel, Spaß und Spannung. Also doch ein Gewinn.

Die ganze letzte Woche war eine Aneinanderreihung von Gewinnen, man muss nur richtig hinschauen. Es war nicht jeden Tag sonnig, auch nicht jeden Tag warm, weder das Wetter, noch das Gefühlsleben betreffend. Trotzdem sehe ich es nicht als Verlust an, dass schon wieder eine Woche um ist. Ich sehe es als Gewinn, denn ich habe sehr viele schöne Momente geschenkt bekommen, von denen ich wieder in der Erinnerung zehren kann.

Ein paar davon will ich mit dir teilen.

Freitag habe ich einen alten Freund meines Mannes kennenlernen dürfen. Die Männer hatten sich jahrelang nicht gesehen. Das Wiedersehen war so toll und ich war sehr gerührt darüber, wie sich beide so unglaublich über ihr Treffen gefreut haben. Wir konnten das Wochenende zusammen verbringen und ich freue mich sehr, dass noch ein zweites Wochenende folgen wird, bevor der Freund wieder in seine Heimat reisen wird.

Samstag war Probentag für‘s Oktoberkonzert. Frauenchor und VIERPLUSEINS und ich habe wieder ein paar schwierige Stellen in den Stücken lernen können. Gewinn!

Sonntag ist sowieso ein Gewinntag für mich. Im Gottesdienst habe ich mit U. den Lobpreis gestalten dürfen. U. war Gast in der Gemeinde und hatte sich zur Verfügung gestellt. Ich durfte ein paar neue Lieder lernen und wir haben richtig gut harmoniert. Mit gutem Essen und guten Gesprächen kamen noch mehr Gewinne dazu.

Montag – für die meisten erstmal ein Verlust, immerhin ist das Wochenende zu Ende 😦 . Ja, ich war auch ein wenig traurig darüber, weil das Wochenende ja immer viel zu kurz ist. Aber tatsächlich habe ich am Montag auch ganz viel gewonnen. Zunächst ist mein Chef wieder aus dem Urlaub zurück – heißt, ich habe wieder meinen Ansprechpartner für die täglichen Fragen im Büro zurück. Und obwohl es ein echt langer Tag wurde, gab es noch mehr Gewinne für mich. Ich darf an einem Erste Hilfe Kurs teilnehmen und habe schon am ersten Tag so viel Neues gelernt. Immerhin ist mein letzter Kurs schon ein paar tausend Tage her.

Dienstag hat sich VIERPLUSEINS wieder getroffen und wir haben intensiv an einigen Liedstellen gearbeitet, die uns immernoch Schwierigkeiten bereitet haben. Mit Ausdauer und vielen Wiederholungen haben wir hier ganz viel Sicherheit gewonnen.

Gestern, Mittwoch, war der zweite Teil meines dreiteiligen Erste Hilfe Kurses. Und wieder konnte ich einige Dinge auffrischen bzw Neues lernen.

Dazu kommt, dass ich letzte Woche zum ersten Mal diesen Frühherbst einen Rollkragenpulli anziehen konnte – ich mag den Sommer, aber ich liebe Rollis. Ich habe Herbstzeitlosen gesehen, die ersten vom Tau benetzten Spinnennetze in der Morgensonne, hatte nasse Turnschuhe beim Spaziergang mit dem Dreamteam und überall fangen die Farben an zu leuchten.

Und heute morgen – während ich das schreibe – flackert im Flur der Kaminofen und wärmt mir das Haus – wenn das kein Gewinn ist!

Siehst du dich diese Woche eher als Gewinner oder Verlierer? Schreib mir in die Kommentare! Ich freu mich, von dir zu lesen.

Yesterday during shopping I was handed a scratch-off-ticket with my sales slip. I scratched the silver off and checked the code and… no winning. Really not? I see it that way: I had a few minutes of game, fun and excitement. So that‘s a win!

The whole past week was a series of winnings, you just have to look right. Not every day was sunny, not every day was warm, considering the weather and considering emotions. Still I don‘t count it a loss that another week is gone. I count it as a win because I was given a lot of beautiful moments that make memories to feed on.

A few I will share with you.

Friday I got to know one of my husband‘s old friends. The guys hadn‘t seen each other in years. The reunion was so great and I was deeply touched by the happiness this reunion created. We could spend the whole weekend together and I am happy that another weekend will follow before the friend will travel back home.

Saturday was rehearsal day for the concert in October. Women‘s choir and FOURPLUSONE. I was able to work out some difficult parts in the songs. Win!

Sunday is a win for me anyway. In church I had the chance to team up with U. for worship. U. was a guest in church and he offered his service. I was able to learn a few new songs and we were perfectly in tune with each other. Good food and good conversations added even more winnings.

Monday – for most people a loss. It means weekend is over 😦 . Yes, I was a little sad too, because weekends always are too short. But actually I won a lot on Monday. First, my boss is back from vacation – meaning, my counterpart for the everyday questions in the office is back. And although Monday turned out to be a very long day, there were more winnings. I am able to take part in a first aid course and on this very first day I learned so much new stuff. Anyway, my last course took place a few thousand days ago.

Tuesday FOURPLUSONE met again and we intensely rehearsed a few song lines that still give us a hard time. With persistency and lots of repetitions we gained a lot of confidence here.

Yesterday, Wednesday, I visited the second part of the first aid course. And again I could brush up some old knowledge and learn new things.

Additionally, I could wear a turtle neck sweater for the first time this fall – I like summer, but I love turtle necks. I saw autumn crocuses, cobwebs covered in dew drops shining in the morning sun, had wet sneakers walking the dreamteam and everywhere the colors start glowing more and more intensely.

And this morning – while I‘m writing this – the fireplace in the hall is flickering and warms up the house – should I not count this a a win?

Did you see yourself as winner of loser this week? Write in the comments below. I‘m looking forward to reading from you.

Melodie meines Lebens – Melody of my Life

Ehrlich, ohne Musik wäre es doch langweilig auf der Welt. Wie erstaunlich ist es dazu noch, dass es soviele Musikstile gibt – von denen ganz sicher nicht alle meinen Geschmack treffen. Aber das ist ja auch nicht so wichtig, denn so verschieden wir Menschen sind, so verschieden dürfen auch die Vorlieben in der Musik sein, oder?

Musik hat in meinem Leben schon ganz früh eine große Rolle gespielt.

Als Kind genoß ich es, wenn mein Papa sein Schifferklavier auspackte und einfach drauf los spielte. Melodien aus den 60er Jahren. Und immer auswendig.

Ich lernte Blockflöte und Melodica (den Klang dieses Instrumentes finde ich aber nicht attraktiv). Mit 11 Jahren fing ich an, Alt-Saxophon zu lernen, später spielte ich das riesige Bariton-Saxophon. Bis mich eines Tages mitten im Auftritt ein Asthma-Anfall außer Gefecht gesetzt hat. Da habe ich alle Noten und Instrumente zur Seite gelegt und hab aufgehört, Musik zu machen.

Aber weißt du, wenn du Musik in dir drin hast, kannst du die nicht einfach abstellen. Also habe ich mich auf die Suche gemacht und mich vor ein paar Jahren einem größeren Kirchenchor angeschlossen. Als Tenor, denn aus welchem Grund auch immer, ich hab es nicht hinbekommen, die Töne der Frauenstimmen zu treffen. Mein erstes großes Konzert mit dem Chor hatte das „Halleluja“ von Händel als Hauptstück. Was für ein Erlebnis. Mit diesem Chor sind die Konzerte immer etwas ganz besonderes, weil wir mit Kammerorchester und/oder Bläsern auftreten. Dazu gibt es immer auch die klassischen (und professionellen) Solisten.

Dann gibt es Auftritte mit dem Chor, in dem meine Mutter schon seit Jahrzehnten singt. Da bin ich meist solistisch unterwegs, z. B. mit „Thank you for the music“ von ABBA. Nach einem dieser Konzerte wurde auch die Idee von VIERPLUSEINS geboren – also die allererste Gedankenzelle davon – eigentlich auch erstmal nur für ein Duett. Das haben wir dann erfolgreich ausprobiert bei der Goldenen Hochzeit meiner Eltern. Von da aus entwickelte sich dann das Duett zum Quartett bzw. zum Ensemble VIERPLUSEINS, das mittlerweile aus 5 Sänger/innen und der Pianistin besteht. Ab kommenden Samstag proben wir wieder für ein Konzert am 5. Oktober. Das Repertoire da ist wieder anders, es gibt humoristische Stücke, Oldies und wir singen natürlich auch wunderschön arrangierte Weihnachtslieder (nein, nicht nächsten Monat 😉 ).

Die wichtigste Musik in meinem Leben ist aber Lobpreis und Anbetungsmusik. Ich liebe es, nicht nur im Gottesdienst Lobpreislieder zu singen. Es kann passieren, dass man ohne Probleme mitbekommt, wo ich gerade mit dem Dreamteam unterwegs bin, weil ich aus vollem Halse singend im Wald oder auf den Wiesen unterwegs bin. Auch beim Fensterputzen singt es sich wunderbar. Noch viel besser aber ist es, mit anderen zusammen Loblieder zu singen. Seit November letzten Jahres bin ich Mitglied des Lobpreis-Teams meiner Gemeinde und das ist ein sehr wertvolles Geschenk für mich.

Die nächsten Monate sind wieder gut gefüllt mit Musik und ich freue mich auf diese ungewöhnliche Mischung. Es wird eine sehr aktive Zeit sein. Sonntags findest du mich im Gottesdienst, am 5. Oktober in Ostheim, dort singe ich mit VIERPLUSEINS und dem Frauenchor und darf dazu durch‘s Programm führen und im Februar 2020 gibt es mich wieder als Tenor im Chor 😉 .

Wenn du mal in der Nähe bist, schau doch einfach mal vorbei.

Schreib mir doch mal in die Kommentare, welche Musik du hörst oder selber machst. Ich freue mich auf die Antworten!

Honestly, the world would be rather boring without music. How astonishing it is that there are so many styles of music – which certainly do not all meet my preferences. But that isn‘t important because as different as we humans are, our preferences in music may be just as different, right?

From a very young age music was part of my life.

As a child I enjoyed my dad unpacking his accordeon and just starting to play. Melodies from the sixties. All by heart.

I learned to play flute and melodica (I do not find the sound of that instrument very attracting). At the age of 11 I started learning to play the Alto Saxophone, later I played the huge Baritone Saxophone. Until one day in the middle of a gig an asthma attack cut my breath off. That‘s when I layed all music sheets and the instruments aside and stopped making music.

But you know, when you have music inside of you, you cannot simply turn it off. So I searched, found and joined a church choir. Singing Tenor voice because, I don‘t know why, I cannot find the notes of the Sopranos and Altos. At my first concert with them we performed Haendel‘s „Halleluja“. What an experience. This Choir‘s concerts are always special because we sing accompanied by a chamber orchestra and/or a brass ensemble. Additionally there are the (professional) soloists.

Then there are gigs with the choir where my mom has been singing for decades. Most of the time I am the soloist there, e.g. singing „Thank you for the music“ from ABBA. After one of these concerts the idea of FOURPLUSONE was born – I mean the very first thought of it – actually only talking about a duett. We successfully tried that at my parents‘ 50th anniversary. From there on the duo formed into a quartett respectively into the ensemble FOURPLUSONE which meanwhile consists of 5 singers and the pianist. Starting this Saturday we will rehearse for a concert on October 5th. Our repertoire again is very different to the others. We have humorous pieces, oldies and of course we sing beautifully arranged Christmas songs (no, not next month 😉 ).

The most important kind of music in my life though is praise and worship music. I love to sing worshipsongs, not only in church. It can happen that people know without any problems where I am walking my dreamteam because you can hear me sing at the top of my lungs while I‘m out in the woods or fields. Also singing is perfect when cleaning your windows. But singing praises is even better together with others. Since November last year I am part of our church‘s Worship Team and this is a very valuable gift to me.

The coming months will be filled well with music and I look forward to this uncommon mixture. It will be a very active time. On Sundays you will find me in church. On Saturday, October 5th in Ostheim at the concert. I will be singing with FOURPLUSONE and the ladies‘ choir and will function as the show host. In February 2020 I will be Tenor in the Choir again 😉 .

If you‘re in the area, stop by if you like.

What kind of music do you hear or make yourself? Write about it in the comment area below. I‘m looking forward to your answers.

Eine Sache des Gewichts – A Matter of Weight

Nein, es geht nicht um’s Abnehmen oder ein paar Pfund Hüftspeck – es geht um etwas völlig anderes.

In den vergangenen Tagen jährte es sich zum 31. Mal, dass ich ein erstes Mal geheiratet habe. Am Montag war es die standesamtliche, am Dienstag die kirchliche Trauung, die sich jährte. Am Montag und Dienstag jährte sich zum 57. Mal der Geburtstag zweier sehr lieber Menschen, eines sehr engen Freundes und einer sehr engen Freundin.

Viele Jahre lang waren die Hochzeitstage Tage, die ich gern gefeiert habe – nach meiner Scheidung war es eher so, dass ich sie gar nicht mochte. Aber die Geburtstage der Freunde haben dem Tag wieder eine schöne Bedeutung gegeben.

Wie ist das mit dem Gewicht der Tage? Sicher gibt es Tage, die in meinem Empfinden sehr viel Gewicht haben. Manche würde ich einfach als schwer bezeichnen. Manche sind aber auch federleicht und haben trotzdem viel Gewicht.

Schwere Tage sind oft Tage, an denen ich jemanden verloren habe. Todestage oder Tage der Trennung können sehr schwer werden. Oder Tage, an denen ich eine schlimme Nachricht oder Diagnose erhalten habe, z. B. der Tag, an dem ich informiert wurde, dass ich einen Schlaganfall hatte. Leichte Tage mit viel Gewicht hingegen sind meist fröhliche Tage oder Tage, an denen wunderbare Dinge passiert sind. Z. B. als ich meine Stieftochter zum ersten Mal in den Arm nehmen durfte – zwei erwachsene Frauen, die sich zum ersten Mal begegnen und auf Anhieb einen guten Draht zueinander haben. Einfach toll. Leichte Tage mit viel Gewicht sind auch jene Tage, die ich ganz bewusst mit Gott verbringe, vielleicht mit Gottesdienst oder mit besonderen Gebetszeiten oder einer Gruppe Gleichgesinnter. Dann gibt es Tage, die schwer und leicht zugleich sind. Wie z. B. der Geburtstag meiner mittlerweile verstorbenen Großeltern. An diesen Tagen ist es schwer, weil sie nicht mehr da sind, aber es ist auch leicht, weil wir so viel Tolles miteinander erlebt haben. Selbst der Jahrestag meines Schlaganfalls ist mittlerweile leicht für mich geworden, denn mein Vertrauen auf Gottes guten Plan hat mich getragen.

Warum habe ich das „Tages-Gewicht“ heute zum Thema gemacht? Weil ich finde, dass wir alle lernen sollten, dass es natürlich immer wieder schlimme oder schwere Tage geben wird, wir aber selbst entscheiden dürfen, ob wir uns von dem Gewicht herunterdrücken lassen wollen oder ob wir lieber der Leichtigkeit soviel Gewicht verleihen, dass sie uns emporhebt, wie ein Luftballon. Aber ich gebe auch zu, dass ich ohne Glauben diese Freiheit, zu entscheiden, wohl nicht hätte.

Vorgestern hatte ich den genau passenden Text auf meinem Kalender im Büro – schau mal auf das Foto.

Ich versuche, jeden Tag nach diesem Motto zu leben. Meist gelingt es auch. Und wenn ich doch mal einen echt schweren Tag habe, dann verlasse ich mich ganz fest darauf, dass Gott den „Fluch in Segen“ verwandelt. Schau dich mal um, ob du auch solche Menschen im Umfeld hast, die trotz schlimmer Zeiten niemals aufgeben, aus allem etwas Positives ziehen können und anderen so ganz viel Mut zum Leben schenken können. Mir fällt da eine Frau ein, die ich persönlich leider noch nicht kennengelernt habe, aber mit der mich eine gemeinsame Zeit auf einem US-Army-Stützpunkt in Deutschland und eine daraus resultierende Facebook-Freundschaft verbindet. Ihre Tage sind derzeit sicher nicht leicht – sie ist verheiratet und Mutter von drei bezaubernden Mädchen und bekam kürzlich die Diagnose Krebs. Aber sie ist eine Kämpferin, sie verleiht ihren Tagen Gewicht, indem sie sich auf den Bibeltext auf dem Foto stützt. Das verleiht ihrer Situation das richtige Gewicht. Und ihr Vertrauen trägt sie nicht nur durch sondern gewissermaßen über die Situation hinaus.

Wieviel Gewicht haben deine Tage? Denk mal darüber nach und schreib mir deine Gedanken in die Kommentare.

No, it is not about losing weight or about your love handles – the subject is totally different.

In the last couple of days it was the 31st anniversary of my first marriage. Monday it was the civil ceremony and Tuesday the church wedding. Monday and Tuesday it was the 57th birthday of two very lovely people, a very close male friend and a very close female friend.

For years those anniversaries were days I loved to celebrate – after my divorce they rather were unliked days. But our friends’ birthdays gave these days a nice meaning again.

So how does that work with the weight of days? Certainly there are days that in my understanding have a lot of weight. Some days I would simply call heavy. Some others on the other hand are as light as a feather and yet they weigh a lot.

Heavy days often are days when I lost somebody. Days of death or days of separation can become very heavy. Or days when I received terrible news or diagnosis like the day when I was told that I had suffered a stroke. Then again light days with lots of weight mostly are happy days or days when wonderful things happen, e.g. when I met my stepdaughter for the first time – two grown women meeting for the first time and being on good terms with each other from the start. Simply amazing. Also, light days which weigh a lot are those days that I consciously spend with God, maybe at church or in special prayer times or with a group of like-minded people. Then there are days which are heavy and light at the same time. Like my late grandparents’ birthdays. Those days can be hard, for my grandparents aren’t there any more, but also they can be easy because we went through great things together. Even the anniversary of my stroke has become easy by now because my trust in God’s good plan has carried me.

Why did I choose the “day-weight” as today’s subject? Because I find it important that we all learn that of course there will be bad or heavy days, but we also are free to decide if we want to let that weight press us down or if we will give enough weight to lightness to make it lift us up like a balloon. But I also admit that without faith I would not have that freedom to decide.

Two days ago I had the matching text on my calender in the office – the photo says: From any situation – even the most painful – God can make something good. (Uschi Marty) – Deut. 23, 5b But the LORD thy God turned the curse into a blessing unto thee, because the LORD thy God loved thee

I try to live by that every day. Most of the time it works. And even if I do have a very heavy day, I firmly rely on the promise that God will “change the curse into blessing”. Take a look around you and check if you have such people around you who despite terrible times never give up, who can draw something positive out of everything and that way give others a whole lot of courage for life. This reminds me of a woman I personally haven’t met yet, but we’re connected by the time we shared on an Army-Base in Germany and a friendship via facebook resulting from it. Her days are certainly not lightweight at the moment – she’s married and mother of three adorable little girls and she received not long ago a bad report saying she has cancer. But she’s a fighter, she gives her days weight by standing on the Bible verse from the picture. That puts the weight of her situation into the right position. And her trust doesn’t only carry her through but more or less over the situation.

How much weight do your days have? Think about it and leave your thoughts in the comments.

Vollsperrung oder „Von Abkürzungen und Umwegen“ – Road Blocks or „About Shortcuts and Detours“

Stell dir vor, du fährst von A nach B und plötzlich stehst du vor einer Straßensperrung und kannst nicht weiterfahren. Kann passieren. Ist gestern abend einer Freundin passiert. Jetzt hatte sie zwei Möglichkeiten – eigentlich drei. Erstens: stehenbleiben und schimpfen, weil sie in einer Sackgasse gelandet war. Zweitens: Umdrehen und wieder nach Hause fahren – vielleicht etwas frustriert, weil die Pläne durchkreuzt waren. Drittens: Umdrehen und einen anderen Weg nehmen. Das tat sie auch, nachdem sie mich kurz angerufen hatte und ich ihr eine Alternativstrecke erklärt hatte. Mit nur ein paar Minuten Verspätung traf sie lächelnd am Treffpunkt ein. Ich hab sie mit „Aufgeben ist keine Alternative“ begrüßt, wir haben alle herzlich gelacht und haben einen wunderbaren Abend genossen.

Ja, so ist das manchmal im Leben. Du gehst einen Weg, den du kennst oder zu kennen meinst. Dann ist da auf einmal ein Hindernis im Weg, mit dem du nicht gerechnet hast. Im Fall meiner Freundin war es eine echt mies ausgeschilderte Vollsperrung. Sie hätte sicher Zeit und ein paar Kilometer sparen können, wäre diese Baustelle schon ein paar Abzweigungen vorher angekündigt gewesen. Aber im Leben ist das oft leider nicht der Fall, sondern du stehst plötzlich da und kannst nicht weiter.

Im allerbesten Fall gibt es eine Abkürzung zum Ziel. Aber auch hier ist es oft, wenn nicht meistens so, dass dich auf der Abkürzung irgendwo eine Überraschung erwartet, die es dir schwer bis unmöglich macht, dein Ziel zu erreichen.

In den meisten Fällen bedeutet eine Vollsperrung aber, dass du eine längere Route nehmen musst, um an dein Ziel zu kommen. Manchmal ist gleich klar, welchen Weg die Umleitung geht. Manchmal musst du erst eine Karte oder dein Navi konsultieren, oder jemanden fragen, der da schon mal langgefahren ist. Es kann auch sinnvoll sein, so jemanden zu bitten, einfach mitzukommen und sicherzustellen, dass du dich nicht verirrst.

So ein Umweg kann natürlich lästig sein – frag mal Pendler, die wegen einer Vollsperrung monatelang Umwege zur Arbeit fahren müssen. Wenn du klug bist, lässt du dich aber auf ein Experiment ein: du erkundest, was es da Neues gibt auf dem Umweg. Vielleicht gibt es da Dörfer, die du noch nie im Leben besucht hast, Häuser mit besonders schöner Fassade, ein Waldstück mit bezauberndem Flair. Vielleicht gibt es auch Brachland, bei dem du ein wenig Herzschmerz bekommst, weil du dir vorstellst, wie es aussehen könnte, wenn sich da mal jemand darum kümmern würde. Vielleicht siehst du Tiere, die du schon lange nicht mehr gesehen hast auf deiner üblichen Strecke. Oder Kinder, die völlig angstfrei draußen spielen, weil es einfach viel ruhiger ist als du es gewohnt bist. Es gibt einfach viel zu entdecken und zu lernen.

Am besten ist sowieso, immer ein paar Extraminuten einzuplanen für Unvorhergesehenes. Dann musst du im Falle einer Umleitung nicht in Stress verfallen, weil du Angst hast, zu spät zu kommen. Ich habe im Nachhinein entdeckt, wie wunderbar mich die eine oder andere Vollsperrung in meinem Leben umgeleitet hat. Mittlerweile freue ich mich nicht nur auf das Ziel, sondern auch auf den Weg dorthin. Wenn du dich zu sehr nur auf das Ziel fokussierst, verpasst du einiges.

Nur in einem Punkt gehe ich keine Umwege, und das ist im Gebet, im Gespräch mit Gott. Da brauche ich keine Umleitung. Zugegeben, ich brauche manchmal Hilfe auf dem direkten Weg, dann suche ich mir Begleitung in Form von Menschen, die auch eine Direktverbindung haben. Aber selbst hier plane ich nichts minutiös, denn es könnte ja sein, dass ich mich mal zum Plaudern hinsetze oder dass ich den Weg mehrmals langgehe. Manchmal ist es auch einfach nur zu schön, um gleich wieder wegzugehen.

Ich kann nur empfehlen, dass du deine Augen, Ohren und dein Herz offen hältst für all das, was dir auf deinen Wegen begegnen kann. Egal, ob du gerade eine coole Abkürzung gefunden hast, deinen üblichen Weg gehst oder einen Umweg machen musst. Überall gibt es Tolles zu entdecken!

Abkürzung oder Umweg? – Shortcut or Detour?

Imagine driving from A to B and suddenly there‘s a road block in front of you and you cannot drive any further. That can happen. It happend to a friend last night. Now she had two alternatives – or better three. One: stay there and fuzz about being stuck in a dead end road. Two: Turn around and drive back home – maybe a bit frustrated because her plans had been foiled. Three: Turn around and take another route. Which she did after she called me and I told her about and alternative route. With only a few minutes delay she arrived at our meeting point. I greeted her with „Giving up is no alternative“, we all had a good laugh and enjoyed a beautiful evening together.

Yes, that‘s how life goes sometimes. You are on a way you know or you mean to know. Then all of a sudden there‘s an obstacle on your way which you did not expect. In my friend‘s case it was a terribly signposted total road block. She certainly could have saved time and several miles if the construction site had been announced a few intersections earlier. But every so often this isn‘t the case in life. You suddenly stand somewhere and can‘t move on instead.

In the very best case there‘s a shortcut towards your goal. But also, often if not most of the time somewhere on that shortcut a surprise awaits you, making it hard or even impossible for you to reach your goal.

Most of the time a total road block means for you to take a longer route to get to your goal. Sometimes it is clear from the beginning which way the detour leads you. Sometimes you have to consult a map or your navigation system or ask someone who took that way before. It can also make sense to ask that person to simply come with you and make sure you don‘t get lost.

Such a detour can be annoying – ask a commuter who has to take long alternative roads to work for months because of a road block. If you are smart though you get into an experiment: you explore all the new things on that detour. Maybe there are villages you‘ve never visited before, buildings with a beautiful faces, a part of a forest with charming flair. Maybe there‘s some waste land that gives you a little heartache when you think of how it could look if someone took care of it. Maybe you see animals you haven‘t seen in a long time on your regular route. Or children fearlessly playing outside because it is so much quieter than what you are used to. There‘s simply so much to discover and learn.

Anyway, best thing is to always consider a few extra minutes for unplanned things. Then you don‘t have to stress yourself out if you need to take a detour and fear to arrive late. In retrospect I discovered how wonderfully one or the other total road block sent me alternative routes in my life. By now I not only look forward to reaching my goal but also to the way there. If you focus too much on your goal, you miss so much traveling there.

There is only one thing where I do not take any detours, and that is in prayer, in my conversations with God. No detours necessary. Admittedly, sometimes I need help on that direct path. I then search company with people who also have the direct connection. Even there I do not preplan meticulously because it could happen that I sit down for a little chat or walk the way several times. Somtimes it is simply too nice to leave right away.

I can only recommend you to keep your eyes, ears and your heart open for all that can come your way. No matter if you‘re on a cool short cut, you‘re walking your regular route or you have to take a detour. There are stunning things to discover everywhere!

Kontraste – Contrasts

Hast du schon einmal ein Handyfoto bearbeitet und dort den Kontrast erhöht? Und wenn ja, warum? Weil es dadurch besser wurde? Oder deutlicher?


Mein ganzes Leben – nein, das ganze Leben – ist voller Kontraste. Manche dieser Kontraste stoßen einander ab, in anderen Fällen ergeben erst die Kontraste ein harmonisches Ganzes.

Es geht doch schon am Anfang der Schöpfung um Kontraste: Land und Meer, Tag und Nacht, Gott und Mensch, Mann und Frau, Segen und Fluch. Kannst du nachprüfen. Lies mal die Schöpfungsgeschichte in der Bibel. Land und Meer bilden gemeinsam die Erde oder Tag und Nacht ergeben zusammen einen Zeitabschnitt, sie gehören zusammen und bilden ein harmonisches Ganzes. Bei Gott und Mensch und bei Mann und Frau ist das auch so – meistens – manchmal – aber hier kann es auch sein, dass sich die beiden Kontraste nicht verstehen oder sich sogar abstoßen. Bei Segen und Fluch ist das definitiv so. Die passen nicht zusammen.


Wie sehen die Kontraste in meinem Leben konkret aus? Bei mir gibt es z. B. viel schwarz-weiß: ein Auto schwarz, ein Auto weiß – sie bilden zusammen unseren hübschen Fuhrpark. Ein Hund schwarz, ein Hund weiß – sie bilden zusammen unser DreamTeam. Mein Mann schwarz, ich weiß – wobei das mit den Farbnuancen ja nicht wirklich stimmt, denn mein Mann ist eher braun wie leckerer Kaffee mit einem Schuss Milch und ich bin beige, manchmal (je nach Sonneneinstrahlung) auch rosa bis rot. Zusammen sind auch wir ein DreamTeam wie unsere Vierbeiner. Gemeinsam können wir Dinge schaffen, die uns allein wohl eher schwerfallen bzw, die wir gar nicht angehen würden. Ich finde das fantastisch. Umso mehr bedauere ich Paare, die sich ständig streiten oder überhaupt nichts zusammen machen. Wir beide reisen z.B. gern über den Ozean hinweg in die Karibik oder die USA. Ohne ihn hätte ich das nie begonnen. Zum einen, weil ich vermutlich nicht den Mumm dazu gehabt hätte in einen Flieger zu steigen, zum anderen, weil ich ohne ihn dort keine Familie hätte, die ich besuchen gehe. Wir machen gern Wochenendausflüge (mit oder ohne DreamTeam), besuchen gemeinsam Gottesdienste oder Konzerte (hier bin meist ich aktiv, er als Zuschauer/-hörer), wir basteln gemeinsam am oder im Haus, er kocht, ich esse 😉, und wir genießen das Leben mit all seinen Kontrasten.

Natürlich gibt es auch Zeiten, in denen unsere Kontraste sich eher nicht zusammenfügen wollen. Aber dann gilt: schau nochmal genau hin und behandle die Situation wie ein Foto auf deinem Handy: Können die Kontraste hier das Gesamtbild klarer machen? Wenn ja, dann feiere die Erkenntnis, gib deinem Gegenüber einen Kuss und sei dankbar dafür, dass dein Leben kein grauer Einheitsbrei ist. Und wenn der Kontrast zu stark ist und in den Augen oder dem Herzen weh tut, dann leg mal einen Schleier der Liebe drauf (wie einen Sentimental-Filter beim Handyfoto). Vielleicht braucht’s noch einen Nostalgiefilter oder eine andere Helligkeitsstufe. Aber du wirst sehen: das Bild wird gleich sehr viel schöner!

In diesem Sinne, einen schönen Donnerstag und bis nächste Woche!

Have you ever edited a photo on your smartphone and increased the contrast on it? And if yes, why? Because it got better? Or clearer?


My whole life – no, the whole life -is full of contrasts. Some of these contrasts push each other away, in other cases these contrasts are what make the harmonic entity.

Even in the beginning of creation it was all about contrasts: land and sea, day and night, God and man, man and woman, blessing and curse. You can check that. Read the history of creation in the Bible. Land and sea built earth together, or day and night make a certain time period, they belong together and build a harmonic entity. It is the same with God and man and with man and woman – most of the time – sometimes – but here it also can happen that the contrasts don’t get along well together or they even reject each other. That’s the case with blessing and curse. They absolutely don’t match.


How do the contrasts in my life look specifically? There’s a lot of black and white in my life: one car black, one car white – together they make our beautiful car pool. One dog black, one dog white – together they are our DreamTeam. My husband black, me white – although the color nuances are not really that – hubby is more brown like delicious coffee with a dash of milk and I am beige, sometimes (depending on the sun) pink or red. Together we also are a DreamTeam like our four-legged ones. Together we can accomplish things which could be hard or even impossible for either one of us alone. I think that’s fantastic. All the more I feel sorry for couples who are constantly fighting or never doing anything together. E.g. we love to travel across the ocean to the Caribbean or the USA. Without him I would never have started. Most probably because I wouldn’t have had the guts to get on a plane all alone. And because without him there would not be any family there to visit. We like weekend trips (with or without the DreamTeam), we visit church together or concerts (mostly me being an active there and him being audience), we like to work together in and around the house, he cooks, I eat 😉, and we enjoy life with all its contrasts.

Of course there are times when our contrasts do not want to go together. Then this applies: look again closely and treat the situation like a photo on your smartphone. Can the contrasts make the whole picture clearer? If yes, then celebrate this insight, kiss your counterpart and be thankful for your life not being a grey mishmash. If the contrast is too harsh and hurts your eyes or your heart, put the veil of love over it (like the blurr filter on the phone). Maybe you even need a sentimental filter or a different stage of brightness. But you will see: the picture will look nicer right away!

With this in mind, have a nice Thursday and see you next week!

Einhundert und einhalb – One hundred and a half

Heute vor 115 Jahren ist eine ganz besondere Person auf die Welt gekommen: am 8. August 1904 erblickte ein kleines Mädchen das Licht der Welt. Im Laufe ihres langen Lebens war es ihr bestimmt, meine „kleine Oma“ zu werden.

Wenn sie erzählte, dann sehr ungern über ihre Kindheit – sie wuchs, wie ihre Geschwister – im Waisenhaus auf. Sie wurde als Teenager als Zofe bei Adligen eingestellt, heiratete einen Tischler (Opa war ein echter Künstler mit Holz, er verstarb leider schon, als ich 8 war), bekam einen Sohn und zwei Enkel und feierte wie eine Königin 2004 ihren hundertsten Geburtstag. Ein halbes Jahr später ging sie mit gefalteten Händen und einem zufriedenen Seufzer heim.

Warum ich hier über sie schreibe? Weil sie es wert ist, nicht vergessen zu werden. Ich liebte sie! Sie war eine kleine Frau und doch war sie eine große Dame.

Ich liebte schon als kleines Mädchen ihren Schokopudding, den ich vom Tellerchen lecken durfte, der zu meiner blauen Tasse gehörte. An ihrem Küchenfenster hingen im Winter Futterblöcke für die Vögel und der Grünspecht war ein ständiger und von mir äußerst bewunderter Gast. Omas gestrickte Socken haben mich begleitet, bis Oma etwa 95 war und ihre Sehkraft langsam nachließ. Ich bewunderte ihre grauen Locken und ihre akkurat manikürten Nägel. Sie liebte es, mit den Eltern meiner Mutter, mit denen sie zusammenwohnte, Tennis zu schauen – als Boris Becker und Steffi Graf auf dem Höhepunkt der Karriere waren, wurde Oma zum Spezialisten. Oder sie schauten Fußball. Wobei ich nicht weiß, ob sie wirklich etwas davon verstand oder einfach nur glücklich war, dabeisitzen zu können.

Sie erzählte oft davon, wie es in den beiden Weltkriegen war. Was das zerbombte Berlin in ihrer Seele angerichtet hat. Wie sie mit Papa, der noch ein Kleinkind war, in die Luftschutzbunker rennen musste, damit sie nicht getötet würden. Wie sie in die Rhön geflüchtet sind, um dort auf Opa zu warten. Wie sie sehr ärmlich lebten, weil Opa, der Künstler, sich nicht traute, sich seine Arbeit angemessen bezahlen zu lassen. Und wie sie sich immer wieder zusammengerauft haben und nie aufgaben.

Sie lehrte mich Dinge, die nur eine Oma lehren kann. Und sie war immer da für mich, wenn ich sie brauchte. Und später war ich für sie da, wenn sie mich brauchte. Sie war mit guter Gesundheit gesegnet, obwohl das Alter und die Erfahrungen ihre Spuren hinterlassen hatten. Aber sie ging nie als Patientin ins Krankenhaus, nur als Besucher. Wie gesegnet doch diese kleine Person war.

Jedes Jahr am 8. August sehe ich mir mit einem Lächeln und mit Tränen in den Augen das Foto von Oma’s 100stem Geburtstag an und bin unendlich dankbar, dass ich sie solange begleiten durfte. Es ist ein Privileg, jenseits der 30 noch Großeltern zu haben. Und ich hatte noch drei davon. Aber heute ist der Tag der „kleinen Oma“ – Alles Liebe zum Geburtstag!

Meine Oma und ich (und Papa und Opa)

Today it’s 115 years that a very special person was born: on August 8, 1904 a little girl came into the world. In the course of her lifetime it was her calling to become my „little Grandma“

When she told her stories, she didn’t like to talk about her childhood – she grew up in an orphanage like her siblings. As a teenager she was hired by aristocratics as a maid, she married a carpenter (Grandpa was a real artist with wood, sadly he already died when I was about 8), she had one son and two grandchildren and she celebrated her 100th birthday like a queen. Half a year after that she went home with folded hands and a satisfied sigh.

Why I write about her here? Because she is worth not to be forgotten. I loved her! She was a little woman and yet she was a great lady.

As a little girl I loved her chocolate pudding which I was allowed to lick off the little plate that belonged to my blue cup. At her kitchen window she hat food blocks for the birds in winter and the green woodpecker was a permanent and by me absolutely adored guest. Grandma’s knitted socks accompanied me until she was about 95 years old and her eyesight slowly worsened. I adored her grey curls and her accurately manicured nails. She loved to watch tennis with my mom’s parents with whom she lived – when Boris Becker and Steffi Graf were at the top of their carreers, Grandma became a pro. Or they watched soccer. I have no idea if she really understood sports or if she simply was happy about being able to enjoy the company.

Often she told us about how she experienced the two World Wars. What the bombed-out city of Berlin did to her soul. How she had to run towards the air-raid shelters so they wouldn’t get killed. How they fled to the Rhoen (the area we still live in) to wait there for Grandpa. How poorly they lived because Grandpa, the artist, was afraid of asking for an adequate payment for his work. And how they pulled themselves together time and time again and how they never gave up.

She taught me things only a grandma can teach. And she was always there for me when I needed her. And later I was there for her when she needed me. She was blessed with health although her age and her experiences left their traces. Yet she never had to go to a hospital as a patient, only as a visitor. How blessed that little person was!

Every year on August 8 I look at the picture we took on Grandma’s 100th birthday, smiling and with tears in my eyes and I am so thankful for being able to be at her side for such a long time. It is a privilege to have grandparents when you are over 30. And I still had three of them then. But today is „little Grandma’s“ day. Happy Birthday!